Montag, 10. Juni 2013

45. „Ist gefallen, kann aber nicht fallen!“



Wir wohnten früher in Villa Gesell an der Ecke der Straße Alameda 202 und Avenida Buenos Aires. Gegenüber war ein kleines Wäldchen. Heute sind dort eine Galerie und ein Supermarkt.

Meine beiden kleinen Töchter spielten da immer sehr gern.
So war es auch an dem Tag,  Alejandra war etwa 6 Jahre und Marcia eineinhalb Jahre jünger, als plötzlich Alejandra schreiend zu mir kam, sichtlich nervös und aufgeregt mit der Erklärung:
"Mami, Mami! Marcia ist gefallen, kann aber nicht weiter fallen!"

Sie nahm meine Hand und rannte mit mir los. Selbstverständlich war ich in Sorge, denn was soll das heißen? " Marcia ist gefallen, kann aber nicht fallen"?

Aber als ich dann an die Stelle kam, wo der " Unfall " passiert war, anstatt mich zu erschrecken, musste ich lachen!

Die Erklärung ist einfach: Marcia war tatsächlich gefallen und konnte nicht fallen, denn sie hatte an diesem " Unglückstag " eine Hose an, die vorne einen Latz mit Hosenträgern hatte. Sie war, was die beiden oft machten, auf einen Baum geklettert, ist dort abgerutscht, runtergefallen, und hat sich dabei an einem Ast verheddert, der sich unter die Träger verfangen hatte.

Nun zappelte Marcia mit allen Vieren dort oben im Baum, das sah man gut!
Sie war aber nicht in Angst, sondern in ihrem Stolz verletzt, denn es war wirklich eine tragisch-komische Situation, sie da herumzappeln zu sehen und ich lachte und lachte!

Alejandra verstand die Welt nicht mehr, guckte mit erstaunten Augen, weil ich das Lachen nicht lassen konnte.

Natürlich bin ich dann nach oben geklettert und habe Marcia von ihrer unglücklichen Lage erlöst und war doch sehr froh, dass der Ast Marcia vor möglichen Verletzungen geschützt hatte.



Margot O.  
  
Die Zeichnung:


Gerda S.

Sonntag, 9. Juni 2013

44. Ein Ausflug nach Villa Gesell mit Folgen


Als wir 1953 nach Argentinien auswanderten, wussten wir nicht, dass wir einmal in Villa Gesell landen würden. Und das sind jetzt  60 Jahre her! 
Zuerst wohnten wir drei Jahre auf dem Kamp, 7 Km von Madariaga (Provinz Buenos Aires) entfernt.

Dort lernten wir drei deutsche Familien kennen. Die eine hatte ein Baumaterialiengeschäft. Dort wurde alles verkauft, was man zum Hausbau brauchte, auch Sand. Diese Leute fuhren jede zweite Woche mit Kalk, Zement, Ziegeln und Eisen nach Villa Gesell, und auf dem Rückweg nahmen sie natürlich Sand von dort mit, kein Weg war umsonst.

An einem schönen Aprilsonntag 1956 luden sie uns zu einem Ausflug nach Villa Gesell ein. Der Ort am Meer war damals noch recht klein, aber er gefiel uns trotzdem sofort. 

Wir begrüßten dort auch Familie Gussmann, die wir schon kannten, und die öfter zum Onkel Luis Schwab  auf den Kamp kamen, um Äpfel, Honig, Eier und den berühmten Apfelessig zu kaufen. Auch Don Carlos und Doña Emilia lernten wir kennen.

Mein Mann fuhr das nächste Mal wieder mit nach Villa Gesell, ging aber gleich zu Don Carlos, um sich ein Grundstück zeigen zu lassen. Don Carlos sagte damals, er hätte nur drei Grundstücke im Angebot, eines im Süden, das andere an der Ecke Paseo 105 und Avenida 7, wo jetzt eine Bäckerei ist. Das gefiel ihm aber nicht. 

Mein Mann fragte: „Wo ist denn das letzte von den dreien? Ich hätte halt gerne etwas in der Nordzone!“ 
Don Carlos sagte: „Es ist ganz in meiner Nähe. Aber was wollen Sie mit einem so großen Grundstück? Das sind fast 3000 qm!“ Mein Mann war ganz begeistert und meinte: „Na, wir werden schon sehen!“ 
Er machte gleich eine Anzahlung und kam am Abend glücklich nach Madariaga zurück. 
Und das war der Anfang!

Hanni K

Villa Gesell
damals
Luftaufnahme

Samstag, 8. Juni 2013

43. Unsere Ruth Goldschmidt


Ruth hatte zusammen mit ihrem Mann, Rodolfo, ein wunderschönes Haus in Mar de las Pampas. Das liegt einige Kilometer weiter im Süden, gehört aber noch zu Villa Gesell.

Ruthi, wir nannte sie so, weil es noch eine andere Ruth bei uns gab, war nur die Sommermonate hier, kam aber trotz des weiten Weges immer pünktlich mit ihrem Wagen aus Mar de las Pampas zu unseren wöchentlichen Treffen.
Wir mochten sie alle sehr gern, weil sie stets freundlich und bescheiden war und immer gute Laune hatte. 

Darf ich eine kleine Anekdote von ihr erzählen?

Wie auch einige andere aus unserem Kreis war sie schwerhörig, was man aber bei ihr kaum merkte, weil sie sehr gute Hörgeräte trug.
Als wir wieder einmal draußen eines unserer Lieder schlecht und recht sangen, piepte es plötzlich laut und vernehmlich in unserem Kreis. Alle schauten sich um, denn schon öfter haben uns die Singvögel, besonders die hier sehr verbreiteten „musicos“ (eine Sperlingsart), beim Singen übertönen wollen, aber das war anders. Es piepte nur, laut und vernehmlich. 
Plötzlich verschwand unsere Ruthi und das Piepen hörte auf. 
Als sie zurück kam, entschuldigte sie sich mehrmals in ihrer rücksichtsvollen Art. Ihre Hörgeräte hätten sie beim Singen gestört, sie hätte sie herausgenommen und in den Händen gehalten. Aus irgendwelchen physikalischen Gründen fingen sie laut an zu piepen, was Ruthi aber dann selbst nicht hören konnte...
Wir haben natürlich alle zusammen laut gelacht.

Im vorigen Jahr ist Ruthi leider unerwartet gestorben.

Bei jedem Treffen singen wir Ruthis Lieblingslied und denken dabei an sie:

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?
Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen.
Es bleibet dabei: die Gedanken sind frei!

Rosemarie W.




Freitag, 7. Juni 2013

42. Nach dem Brand (siehe Beitrag Nr. 23)


Es gibt in Villa Gesell eine Fernsehsendung über den Gründer und die ersten Einwohner dieses Badeortes. Die heißt: “Los pioneros gesellinos” (die Pioniere von Villa Gesell). Aber wir, die ersten “veraneantes gesellinos” (Sommergäste von Villa Gesell) sind doch auch wichtig und haben auch unsere Geschichte!

Wenn ich ins Häuschen am Meer komme, welches Fritz, mein verstorbener Mann, mit eigenen Händen gebaut hat, fühle ich eine besondere Zusammengehörigkeit mit ihm.

Nach dem Brand des Hauses im Jahre 2008 war ich natürlich sehr traurig.
Trotz meiner 88 Jahre habe ich mich dann entschlossen, es mit Hilfe meiner Kinder wieder aufzubauen.

Mein Mann, meine Kinder und ich haben dort noch die pure Natur, den Strand, der noch nicht überbevölkert war, und die Pferde genossen. Hier haben meine Kinder ihre Lebensgefährten kennen gelernt.

Die Enkel brachten schon einen anderen Lebensstil mit:
Tanzlokale, die tollen modernen Schwimmbretter und die furchtbar lauten “Cuatriciclos” (Vierrad-Motorräder) gehören jetzt dazu.

Wie werden wohl meine Urenkel diesen Ort erleben? Ich werde dann nicht mehr dabei sein, aber ich wünsche, dass auch sie es als kleines Paradies betrachten, und dass das kleine Häuschen, welches der Urgroßvater mit so viel Liebe, Schweiß und Fleiß gebaut und die nächste Generation nach dem Brand mit viel Mühe wieder aufbaut und vergrößert hat, weiter Freude bereitet.

Ich bin jetzt 93 Jahre alt und habe schon so manchen schönen Sommer im alten und nun auch im neu erbauten Haus verbracht
Ich hoffe, es noch ein paar Jährchen genießen zu können und wünsche, dass meine Kinder, meine Enkel, eben alle unsere Nachkommen dieses Eckchen Erde lieben werden.......

Inge W.                               Wiederaufbau


Donnerstag, 6. Juni 2013

41. Unsere Inge Kozma von Bredow


Sie war ein Unikum und im Barrio Norte, (Nordzone von Villa Gesell), sehr bekannt, denn jeden Tag machte sie mehrere Male mit ihren drei Hunden Spaziergänge im Wäldchen. Dabei kam sie auch immer an Olgas Sommerhaus vorbei. Es kam zu kurzen Gesprächen und bei dem Wort „Farmaceutico“ (Apotheker) wurde Inge als Deutsche enttarnt, denn „e“ und „u“ zusammengezogen wie „oi“, ausgesprochen, das war deutsch!
Im Sommer 2002 war Olga alleine in Villa Gesell und wusste nicht so recht, ob sie über die Feiertage nach Buenos-Aires fahren sollte. Eigentlich hatte sie aber gar keine Lust dazu. Als sie das Inge gegenüber erwähnte, sagte diese spontan, wenn sie hier bleiben wolle, dann wäre sie zu Heiligabend bei ihr herzlich willkommen, es kämen noch ein paar andere Leute.
Olga verbrachte dann bei Inge einen sehr gemütlichen Weihnachtsabend.
Im Jahr darauf kam ich zusammen mit Olga aus Deutschland nach Villa Gesell und lernte Inge und viele ihrer Freunde kennen, denn außer Weihnachten gab es das viel größere Fest am 16. Januar, Inges Geburtstag. Der wurde dann mit reichlich Champagner und Gesang gefeiert.
Täglich trafen wir uns im Sonnenzelt am Strand und hatten viel Spaß miteinander. Es wurde, wahrscheinlich zur Belästigung der Strandnachbarn, laut deutsch gesprochen und viel gelacht. Aber es kamen auch vergnügte Touristen vorbei, die mit: "Guten Morgen!" grüßten.
Aufgefallen war uns eine andere Gruppe, die einen offensichtlich deutschen Eindruck machte, und es dauerte nicht lange, da kam Rosemarie auf uns zu und mit ihr Ruth und Peter...... und, und......
Inge war überall dabei. Sie engagierte sich im Tierschutzverein und unterstützte die Gratis-Kastrationen der Straßenkatzen und –hunde. Sie kümmerte sich um die Krippenspiele im Deutschen Club, sang im Chor und als bei Rosemarie der Gesang deutscher Volkslieder ins Leben gerufen wurde, unterstützte sie das Ganze mit ihrem Akkordeon.
Sie genoss das Leben und Villa Gesell in vollen Zügen und als sie starb, wurde ihr Wunsch erfüllt:
 Ihre Asche ist irgendwo in den Dünen verstreut.

Rita T.

Vergessen ist sie nicht!



Wir sind wieder da!

Mit alten und neuen Geschichten von und über Villa Gesell!
Und wir hoffen, auch  von  manchen Lesern Beiträge zu erhalten!
Der gesellige Blog


Samstag, 1. Juni 2013

40. Wer steckt hinter dem "geselligen Blog"?


 Uns gibt es so schon über zwölf Jahre!

Wir sind eine nette Gruppe deutschsprechender  Frauen, die sich wöchentlich einmal treffen und außer Kaffee trinken, hauptsächlich die alten deutschen Volkslieder singen. Davon haben wir über 200 gesammelt und gedruckt.

Im Winter sind wir nur fünf "Sängerinnen", die ständig hier in Villa Gesell wohnen, aber im Sommer erhöht sich die Zahl auf zehn, zwölf und auch oft mehr.

Dann singen wir natürlich draußen im Garten, aber nachmittags zu einer Zeit, wo sich die meisten Leute noch am Strand tummeln! Gut für uns und auch für die möglichen Zuhörer, denn wir sind kein wohlklingender Chor, sondern singen einfach nur, weil es uns Spaß macht.

Unser Alter liegt zwischen 70 und 90, drei unserer "Sommersängerinnen" werden oder sind dieses Jahr sogar schon 93!!!

Im Dezember laden wir stets zum "Adventsfest" in "Renates Haus" ein. Es gibt Glühwein, Kaffee und Plätzchen. Gratis! Dann kommen alle, die Lust haben und gern mal deutsche Weihnachtslieder hören oder mitsingen wollen.

Und jetzt haben wir noch ein neues Hobby! Wir haben einen Blog:
Darin "posten" wir Geschichten aus und über Villa Gesell auf Deutsch, alte und neue, von früher und von heute.

Jetzt haben wir die Nummer 40 erreicht und machen eine kleine Pause.
Uns macht das Sammeln große Freude und vielleicht habt ihr, Blog- Leser, auch noch andere Villa-Gesell-Geschichten? Bitte, schickt sie uns!
Wir machen weiter!

Gerda S., Dietlinde T., Renate v. W., Hildegard K. Rosemarie W.

Und im Sommer:  Karin E., Ruth P., Inge W., Betty K., Erika M. , Olga S., Rita T. und andere mehr...

Wir denken auch an zwei, die uns leider schon für immer verlassen haben: Inge K.v.B. und Ruthi G.